Was ist Prokrastination?

Ihnen fallen immer wieder Ausreden ein, um Dinge auf „später“ zu verschieben? Und der richtige Zeitpunkt für dieses „Später“ scheint einfach nie zu kommen? Dann sind Sie vielleicht ein Verzögerer.

Wie wird Prokrastination definiert?

„Prokrastination“ bezeichnet das Verzögern bzw. Aufschieben einer Aufgabe, die erledigt werden muss, weil sie keinen Spaß macht. Wir alle kennen das! Denken Sie nur an langweilige oder unerfreuliche Aufgaben wie das Bezahlen von Rechnungen, die Erledigung der Post oder die monatliche Buchhaltung. Wie gerne schieben wir solche Aufgaben vor uns hin! Im herkömmlichen Sinn wird Prokrastination mit einem schlechten Zeitmanagement – oder sogar Faulheit – in Verbindung gebracht. Die moderne Forschung legt allerdings nahe, dass es sich dabei tatsächlich um ein psychologisches Problem handelt.

Tendiere ich zum Aufschieben?

Möglicherweise tun Sie das. Dies sollte Ihnen aber kein Kopfzerbrechen bereiten, denn bis zu einem gewissen Maße trifft dies auf die meisten Menschen zu. Wenn Sie Aufgaben aber häufig aufschieben, dann könnte es sein, dass Sie ein chronischer Aufschieber sind. Wirkliche Prokrastination folgt einem speziellen Muster, das Dinge wie Zeitmanagement und To-do-Listen zur Seite wirft, weil Sie lieber etwas anderes – irgendetwas anderes – stattdessen tun.

Sie suchen aktiv nach Ablenkung

Es ist ein Unterschied, ob man wirklich zu beschäftigt ist oder versucht, wichtige Aufgaben zu umgehen. Vielleicht bemerken Sie, dass Sie sich immer wieder einmal „nur noch fünf Minuten“ für soziale Medien oder Videospiele geben oder einfach nur eine halbe Stunde aus dem Fenster starren. Dabei haben Sie vermutlich noch nicht einmal das Gefühl, dass Sie Aufgaben aktiv aufschieben – schließlich wollten Sie sich nicht mit Freunden treffen oder haben ein anderes Vergnügen geplant – die Zeit ist Ihnen einfach davongelaufen. Aber genau das ist ein ganz wesentliches Merkmal der Prokrastination.

Ihr Zeitmanagement ist gut

Dies ist ein gutes Unterscheidungsmerkmal zwischen Prokrastination und schlechtem Zeitmanagement. Sicherlich überschneidet sich beides in vielen Punkten. Aber ein Verzögerer ist nicht unbedingt ein schlechter Zeitmanager. Womöglich haben Sie sogar noch nie einen Termin versäumt. Sie erledigen ungeliebte Aufgaben, egal wie spät Sie damit beginnen, mit dem gleichen Maß an Detailgenauigkeit und Perfektionismus wie jede andere Aufgabe auch. Nur eben in allerletzter Minute.

Sie achten nicht gut auf sich selbst

Dies ist eine entscheidende Erkenntnis der modernen Wissenschaft – Prokrastination ist nicht einfach nur Faulheit oder Unfähigkeit, sich zu organisieren. Vielmehr kann Prokrastination auf Probleme der psychischen Gesundheit hinweisen. Dr. Piers Steel geht sogar so weit, Prokrastination gar als einen Akt der Selbstverletzung zu bezeichnen. Sie wissen genau, dass Sie eine Aufgabe zu erledigen haben, und Sie wissen auch, dass es zu absolut nichts führt, diese Aufgabe nicht sofort zu erledigen, und trotzdem suchen Sie nach Ablenkung. Negative Emotionen wie Versagensangst und geringes Selbstwertgefühl nähren Ihr Aufschieben – genauso wie Sie sich vom Stress eines Vorstellungsgesprächs, vor dem Sie sich fürchten, ablenken möchten, und nicht ins Bett kommen, obwohl Sie ganz genau wissen, dass nur fünf Stunden Schlaf definitiv keine gute Idee sind.

Nehmen Sie sich etwas Zeit, um Ihre Gefühle zu sortieren, genießen Sie etwas Achtsamkeit und machen Sie sich bewusst, dass Sie sehr wohl in der Lage sind, die aktuell anstehende Aufgabe zu bewältigen. Versuchen Sie, Ihre Angst oder Ihren Widerwillen vor dieser Aufgabe abzubauen, und betrachten Sie die Aufgabe einfach wie jede andere Aufgabe. Selbst der engagierteste Perfektionist wird zugeben, dass es viel besser ist, etwas zu erledigen, als gar nichts zu tun.

Sie haben das Gefühl, Ihre Willenskraft verloren zu haben

Dies hängt eng mit dem bereits Besprochenen zusammen: Ihrem Gefühl des Scheiterns, das Sie aufgrund Ihres Motivationstiefs verspüren, und das Sie nun unbewusst auf Ihr gesamtes Arbeitsverhalten übertragen. Dass unsere Motivation bei der Arbeit Höhen und Tiefen unterliegt, ist völlig normal. Und auch hier kann ein wenig Selbstachtsamkeit wahre Wunder bewirken. Versuchen Sie es mit einem Tapetenwechsel. Vielleicht erledigen Sie diese Arbeit besser in einem ruhigen Besprechungsraum als an Ihrem Schreibtisch inmitten Ihres Großraumbüros. Wenn Sie im Home-Office arbeiten, begeben Sie sich für diese Aufgabe zum Beispiel in ein ruhiges Café. In einer Umgebung mit Menschen zu sein, die beschäftigt und produktiv sind, hilft Ihnen vielleicht aus Ihrem Motivationstief.

Sie neigen häufig zu Handlungen, die sie mit Komfort assoziieren

Auf einen Zusammenhang zwischen Prokrastination und psychischer Gesundheit weist auch das Essverhalten hin. „Prokrastinations-Essen“ bezieht sich auf Essen als Ablenkung. Sie halten es vielleicht für sozial und durchaus positiv, den Schreibtisch immer mal wieder kurz zu verlassen, um in der Küche einen Snack zu essen und sich dabei mit Kollegen zu unterhalten. Letztlich suchen Sie im Essen jedoch nur Trost und Ablenkung vor den negativen Gefühlen, die die bevorstehende Aufgabe in Ihnen hervorruft.

Sie fühlen sich ständig überfordert

Wir meiden keine Aufgaben, die uns Freude bereiten oder in denen wir gut sind. Wenn Sie eine bestimmte Aufgabe vor sich her schieben, sollten Sie sich deshalb fragen, warum Sie dies tun. Vielleicht stellen Sie fest, dass dies gar nichts mit Ihren Fähigkeiten zu tun hat, sondern eher mit der Art und Weise, wie Sie an die Aufgabe herangehen. Vielleicht verfügen Sie und Ihr Team nicht über die passenden Tools für diese Aufgabe. Ihnen bereitet also nicht die eigentliche Aufgabe Sorgen, sondern vielmehr, dass Sie die Aufgabe nicht so erledigen können, wie Sie das gerne hätten.

So machen Sie endlich Schluss mit dem Aufschieben

Prokrastination wird also in den meisten Fällen durch negative Gefühle hervorgerufen. Es ist unser fehlgeleiteter Versuch der Selbsterhaltung, schlechte und unangenehme Aufgaben zu verdrängen und sich stattdessen Tätigkeiten zu suchen, die sofortige Befriedigung versprechen. Dadurch schaden wir uns aber leider nur noch mehr. Zur Überwindung dieser negativen Gefühle empfiehlt es sich, einige Tricks und Hilfen parat zu halten.

Einige Möglichkeiten haben wir bereits angesprochen. Es gibt jedoch weitaus objektivere Wege, mit denen es Ihnen gelingt, diesen Zeitdieb endlich aus Ihrem Leben zu verbannen.

Bleiben Sie in Kontakt

Das Gefühl isoliert zu sein und mit einer anstehenden Aufgabe allein gelassen zu werden, kann ein wahrer Katalysator für Prokrastination sein. Bleiben Sie also mit Ihrem Team in Kontakt – durch einen kurzen Chat, E-Mails oder auch einen guten altmodischen Telefonanruf. Wenn Sie wissen, dass Sie mit einer Aufgabe nicht alleine sind, nimmt Ihnen das nicht nur die Furcht vor der Aufgabe, sondern motiviert Sie auch, Ihren Teil dazu beizutragen.

Beschaffen Sie sich die passenden Tools für Ihre Aufgabe

Nicht nur eine Aufgabe, vor der wir uns scheuen, lässt uns vor dieser zurückschrecken, sondern auch die Art und Weise, mit der wir die Aufgabe durchführen sollen. Zusätzlich dazu können uns die dutzenden Tools, Programme und Dateien, die zu verwenden von uns erwartet wird, hin und wieder überwältigend vorkommen. Da ist es nur eine Frage der Zeit, bis Sie sich entscheiden, dass Sie genauso gut noch einen weiteren Tab öffnen können, um einen kurzen Blick in Ihre sozialen Medien zu werfen. Mit Dropbox können Sie Ihre Arbeit an einem zentralen Ort gemeinsam im Team erledigen, sodass Sie sich deutlich leichter auf Ihre Arbeit konzentrieren können. Ihre Benachrichtigungen, Dokumente, Aufgabenlisten, Kommentare und Bearbeitungen lassen sich problemlos und direkt in Dropbox mit Ihren Kollegen teilen – so kommen Sie zügig und ohne Verzögerung voran.

Steigern Sie Ihre Produktivität

Alle Menschen arbeiten ein wenig anders, und nur Sie wissen, was für Sie am besten funktioniert. Sehen Sie sich Ihre Arbeitsgewohnheiten daher genau an und überlegen Sie, wie Sie Ihr Arbeitsumfeld und Ihre Arbeitszeit optimal gestalten können. Denken Sie daran, dass Sie selbst es sind, der die Kontrolle über die Ausführung Ihrer Arbeit hat. Vom smarten Nutzen von Produktivitätstools, über das Sicherstellen, dass nichts zwischen Ihnen, Ihrem Team und Ihren Zielen steht, bis hin zum Aufteilen Ihres Arbeitstages in überschaubare Abschnitte wie Pomodoros – sich die Kontrolle zurückzuholen und sich selbst zu befähigen, nimmt der Verlockung der Prokrastination jegliche Macht.